Leseprobe aus »Die Sphäre: Der Schatten und die Hoffnung«



 Jada war bester Laune. Sie war mit einem der Boote unterwegs in Richtung Bloody Island, um einige Muscheln zu ergattern. Ihr Großvater sagte ihr immer, dass sie das nicht tun musste, da sie zumindest inzwischen keine finanziellen Nöte mehr hätten. Aber es war trotzdem ein schönes Taschengeld und sie hatte auf diese Weise bereits ein nettes Sümmchen zusammengespart. Im Umkreis von Bloody Island waren nicht nur die meisten Muscheln zu finden, sondern sie waren auch außergewöhnlich groß. Aber nicht nur das, laut den Köchen der Hotels, die ihr immer alles abnahmen, was sie brachte, waren sie auch besonders schmackhaft.
 Nun versuchte sie, die spezielle Unterart in einem Teil der Bucht in der Nähe ihres Hauses anzusiedeln, somit hätte sie diese Goldgrube vor der Haustüre. Es schien auch zu gelingen, doch war es mit Mühe verbunden. Das Mädchen hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, immer einen Teil der Ausbeute dort auszusetzen.
Jada machte es nun schon eine ganze Weile so, und dieses Jahr hatte sie erstmals junge Muscheln besagter Art in der Bucht vor ihrem Haus gefunden.
Dieses Projekt bereitete ihr Spaß und der Gedanke daran erzeugte gute Laune in ihr.
 Außerdem mochte sie das Pärchen, das im Moment hier war, Xia und Mike und sie freute sich darauf, die beiden ein wenig herumzuführen. Sie freute sich immer über Gäste, weil die auch Geld bedeuteten, aber vor allem etwas Abwechslung. Und diese hier waren ihr richtig sympathisch.
 Jetzt war sie beinahe angekommen, als sie plötzlich etwas an ihr vorbeibrauste. Sie konnte nichts sehen, aber es schlug ihr eine Windböe ins Gesicht, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte.
    »Wooow!«, entfuhr es ihr. »Was war denn das?«
Sie sah sich um, es war nicht das Geringste zu sehen. Doch einige Sekunden später sah sie, dass die Bäume, nahe dem Strand von einem Wind herumgerissen wurden, so als ob etwas darüber fliegen würde. Aber da war nichts. Abgelenkt durch dieses Phänomen fuhr Jada viel zu schnell auf das Ufer zu. Erschrocken erkannte sie den Fehler und stoppte, doch sie realisierte, dass es zu spät war. Der Boden des Bootes kam mit zu hoher Geschwindigkeit mit dem scharfen Felsen in Berührung. Dank ihrer guten Reaktion schaffte sie es, nicht selbst schwer verletzt zu werden, doch das Boot war so stark beschädigt, dass es sich mit Wasser füllte. Sie sprang in das seichte Wasser und zog das leckgeschlagene Boot mühsam ans Ufer.
 Das Mädchen unterdrückte die Tränen, die aus einer Mischung aus Wut und Angst hervorbrechen wollten. Dann versuchte es, klar zu denken.
 Alles kein Grund zur Panik, wenn ich nicht heimkomme, dann weiß Großvater, wo ich bin und er wird mich holen. Ich muss einfach Geduld haben, dachte Jada sich. Allerdings war ihr klar, dass sie nun hier einige Stunden warten musste. Und so wartete sie, setzte sich in den Schatten und versuchte, die Ruhe zu bewahren.
 
 Das tat sie einige Zeit, dann war ihr so langweilig, dass sie begann herumzugehen und auch immer wieder aufs Meer nach Booten Ausschau zu halten, denen sie vielleicht winken konnte. Aber nichts war zu sehen. Sie blickte ins Innere der Insel und sah den großen Hügel rauf. Stand dort eine Person? Sie zog den Feldstecher aus ihrem Rucksack und warf einen Blick rauf. Tatsächlich stand dort oben ein jugendlicher Bursche und sie kannte ihn sogar. Er hieß Jayden und war immer eine Klasse über ihr. Sie wollte ihm zuwinken, doch er konnte sie unmöglich sehen, zumindest nicht, wenn er kein Fernglas hatte. Sie sah, wie er sich umdrehte und wegging.
 Jayden muss mit einem Boot hier sein, dann konnte er mich auch zurückbringen. Sie stopfte alles Wichtige in den Rucksack und beschloss ihm nachzulaufen. Wahrscheinlich war er oben mit anderen Jugendlichen.
Oben angekommen war sie völlig außer Atem, der Aufstieg war doch beschwerlicher als erwartet. Jada konnte Jayden nicht sehen, aber ein Trampelpfad war klar zu erkennen. So beschloss das Mädchen, dort entlang zu gehen, in der Hoffnung auf die Jugendlichen zu stoßen, allerdings war es sich ihrer Sache nicht mehr so sicher.
Was, wenn ihr Großvater sie inzwischen unten suchen würde? Trotz der Bedenken marschierte sie weiter. Einige Zeit später, sie hatte die Hoffnung schon aufgegeben, hörte sie Stimmen. Sie ging etwas schneller und kam auf eine Lichtung zu den Füßen eines Berges. Jada sah sich um, aber es war niemand zu sehen. Um ihrer Schulter Erleichterung zu verschaffen, stellte sie ihren Rucksack auf den Boden.
Sie rief ein paarmal: »Hallo, ist da jemand?«
Bei einem Felsen stand eine Kiste. Sie wollte gerade hingehen, als es geschah. Eine große Gestalt kam auf sie zugestürmt und packte sie. Jada wollte sich wehren und versuchte zu schlagen und zu treten. Doch der Mann, der sein Gesicht zwar verzerrte, weil ihre Tritte ihn offensichtlich schmerzten, packte sie nur noch fester und trug sie weg ins Gebüsch. Sie schrie verzweifelt um Hilfe, doch war ihr auch klar, dass ihr wohl niemand helfen würde.
    »Lassen sie mich los, sie tun mir weh!«, schrie sie den Mann an. Der stieß sie in das Gras und warf sich auf sie. Sie strampelte herum, er drückte ihr seine Hände fest auf die Ohren. Mit einem Mal hörte und fühlte sie eine gewaltige Erschütterung und sah, dass Gestein herumflog und auch kleinere Brocken auf den Mann fielen, der über ihr lag. Kurz darauf nahm der Mann seine Hände von ihren Ohren weg und begann sich aufzurichten. Sowohl er, als auch Jada waren in eine dichte Staubwolke gehüllt und auch von Staub bedeckt. Umständlich klopfte er sich den Dreck von der Kleidung. Er reichte ihr die Hand, die sie ohne nachzudenken ergriff und sich hochzog.
    »Was zum …«, wollte sie ansetzen.
    »Gerne geschehen«, sagte der Fremde. Nur langsam verzog sich der Staub. Jada hatte nicht die geringste Ahnung, was hier ablief, aber ihr war klar, dass dies eine gewaltige Explosion war und sie sich offensichtlich genau im Gefahrenbereich befunden hatte. Und es war auch klar ersichtlich, dass dieser Typ sie gerettet hatte. Sogar die Ohren hatte er ihr zugehalten, damit sie keinen Hörschaden davontrug.
 Der Großteil der Staubwolke hatte sich verblasen und das Gesicht des Fremden war nun erkennbar. Gerade zog er sich Stöpsel aus den Ohren und steckte sie ein. Der Mann musste so um die dreißig Jahre alt sein. Er war braungebrannt, hatte einen Dreitagebart und einen Hut auf dem Kopf. Sein Hemd war schmutzig und seine Hose verschlissen. Jada fand, dass er etwas sehr Verwegenes ausstrahlte. So wie das Mädchen den Mann von oben bis unten betrachtete, geschah es auch umgekehrt.
Plötzlich begann er, schallend zu lachen.
    »Mein Gott, du bist ja noch ein Kind. Was macht denn ein Mädchen wie du hier mitten in der Wildnis? Noch dazu auf der verbotenen Insel. Kannst du mir das sagen?«
    »Ich bin kein Kind mehr. Mein Name ist Jada. Ich komme von der Nachbarinsel. Ich war unten am Strand, um Muscheln zu sammeln, das mache ich immer. Hier rauf bin ich nur, weil ich gekentert bin und mit dem Fernglas einen Bekannten gesehen habe, und da habe ich mir gedacht, dass er mir vielleicht helfen kann.«
Wieder lachte der Mann schallend.
    »Oh Mann, ich bin wirklich der Glückspilz unter den Schatzsuchern. Da kriegt man für eine geheime Schatzsuche ohnehin nur die größten Kindsköpfe der gesamten Karibik und dann tauchst auch du noch auf.«

 

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Nikolaus Fahrner

 

 Schon in meiner Kindheit und Jugend hatte ich eine recht ausgeprägte Fantasie und unterhielt Freunde mit meinen Geschichten.

Ich lebe mit meiner lieben Frau und zwei vorlauten, schwarzen Katern in einem kleinen Städtchen in Niederösterreich. Beruflich bin ich als Gärtner tätig.

 

 Zu schreiben begonnen habe ich schon in meiner Jugendzeit, wenn ich dazwischen auch längere Zeiten der Schreibabstinenz hatte.

Vom Genre her bewege ich mich in verschiedenen Gefilden.

Größtenteils schreibe ich Jugendromane die teils Abenteuergeschichten sind, aber teils auch SciFi-Elemente beinhalten.