Leseprobe aus »Der Weltentraum: Jonathans Spiel«



  Tags darauf, Jonathan war erst von der Schule nach Hause gekommen, wollte er wieder Zeit mit dem Spiel verbringen. Sabine, auf die er ja jetzt etwas mehr achten sollte, solange Vater weg war, befand sich noch bei einer Schulkollegin, wo sie auch zu Abend essen würde. Daher konnte er sich jetzt auf das Spiel konzentrieren. Er nahm das Gerät in Betrieb, durchlief ein kurzes Intermezzo in der Spielzentrale und fand sich schließlich im Tempel wieder.
 Wie kann ich die Tore zu den Göttern öffnen, fragte er sich. Wenn man ein Tor öffnete, schloss sich das vorherige. Er untersuchte den Hebel eines Tores etwas genauer, da sah er, dass es darunter einen Haken gab. Er öffnete das Tor wieder, indem er den Hebel nach unten drückte. Das Tor schob sich erwartungsgemäß auf, doch Jonathan gelang es, den Haken über den Hebel zu bringen. Danach ging er zum nächsten Tor und öffnete. Das erste Tor blieb offen.
      »Ha!«, rief er aus. Dasselbe tat er mit allen Hebeln. Als er es beim Letzten gemacht hatte, war plötzlich ein lautes, mahlendes Geräusch zu hören. In der Mitte erschien ein rundes Loch im Boden und eine Treppe, scheinbar ins Nichts erschien.
      »Du hast das Rätsel gelöst!«, rief Kiki aus, die eben hinter ihm aufgetaucht war. »Wolltest du etwa ohne mich nach unten?«
      »He, Kiki. Natürlich nicht. Schön, dass du wieder da bist. Von mir aus kann es losgehen.«
      »Schau mal, was ich uns mitgebracht habe«, antwortete sie und zog zwei Taschenlampen hervor. »Nur damit du nicht glaubst, dass wir primitive Wilde sind«, fügte sie lachend hinzu.
      »Das käme mir doch niemals in den Sinn«, antwortete er grinsend.
»Aber spitze, dass du daran gedacht hast«, fügte er hinzu.
 Jonathan ging voraus, die Treppe langsam hinab. Er versuchte, etwas am Grund zu erkennen, doch die Finsternis war zu stark, oder das Loch zu tief, um nur irgendetwas zu sehen. Die Treppe wand sich kreisförmig hinab und verschwand im Dunkel. Dazu gab es kein Geländer, um sich festzuhalten. Jonathan wurde ein wenig mulmig.
 Kiki schien es nicht anders zu gehen. Ängstlich hielt sie sich an der Schulter des Jungen fest. Paradoxerweise fühlte er sich dadurch auch gleich etwas weniger unsicher. Jonathan wusste nicht, wie lange sie sich so, Schritt für Schritt hinabarbeiteten. Längst war bei einem Blick nach oben ebenso nichts mehr zu sehen. Es war fast so, als schwebten sie durch die Finsternis.
    »Jonathan, vielleicht wäre es besser umzukehren, es ist unglaublich tief«, murmelte Kiki.
      »Wir sind schon so weit, vielleicht sind wir bald unten. Ich will jetzt nicht aufgeben«, antwortete er.
      »Möglicherweise hast du ja Recht«, meinte sie, klang aber nicht besonders überzeugt. Plötzlich stutzte sie.
    »Hast du das gehört?«
     »Nein, gar nichts«, erwiderte er.
     »Da waren Stimmen zu hören, von oben glaube ich.«
    »Vielleicht der Widerhall unserer eigenen Stimmen.«
 Die Zwei tasteten sich weiter abwärts, eine Weile, ohne etwas zu sagen.
      »Da, jetzt habe ich es auch gehört«, sagte er aufgeregt.
    »Hat sich eindeutig nach menschlichen Stimmen angehört«, merkte sie an.
    »Ja, es klang so. Es könnte aber auch ein anderes Geräusch gewesen sein und einfach verzerrt nach einem Menschen klingen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns hier in einem bizarren Gebäude befinden.«
    »Schau mal nach unten. Dort schimmert was. Vielleicht sind wir gleich angekommen«, rief sie aus.
    »Ja, ich sehe es. Wir sind so gut wie unten.«
 Tatsächlich endeten die Stufen und sie erkannten, woher das Schimmern kam. Es gab ein großes Tor und es bestand aus fluoreszierendem Material. Sie leuchteten mit ihren Lampen herum, aber der ganze Raum war leer, es gab nur dieses Tor.
    »Mal sehen, wie sie zu öffnen ist«, meinte Jonathan.
 Gemeinsam suchten sie die nähere Umgebung ab, entdeckten aber keinen Hebel oder Ähnliches. Nach einigen Minuten des vergeblichen Suchens rief Jonathan aus: »Das darf doch nicht wahr sein, dass wir den ganzen Weg nach unten gemacht haben und da jetzt nicht rein können.«
    »Jetzt werde doch nicht gleich ärgerlich. Wir finden schon einen Weg«, versuchte sie ihn aufzumuntern.
 Sie suchten zuerst systematisch die Wände ab und leuchteten dort jeden Winkel aus, aber außer Stein an Stein war hier nicht das Geringste zu sehen.
    »Das ist nichts, jetzt den Boden!«, sagte er und klang ein wenig entmutigt. Zu guter Letzt fiel ihnen etwas in der Mitte des Raumes auf, ein etwa handtellergroßer Edelstein, der das Licht der Lampe schwach widerspiegelte. Jonathan drückte darauf, aber da bewegte sich rein gar nichts.
    »Aber es muss etwas damit zu tun haben, es ist das Einzige in diesem Raum, das hervorsticht«, meinte Kiki.
Jonathan leuchtete ein weiteres Mal direkt auf den Stein und er funkelte zurück.
    »Warte mal, ich versuche was«, sagte er.
 Er richtete den Strahl der Lampe auf den Edelstein und näherte sich damit. Schließlich drückte er sie völlig darauf. Die beiden hörten es klicken und die schimmernde Tür sprang auf.
    »Das war es also. Das Licht-Tor lässt sich durch Licht öffnen«, rief Kiki erfreut aus.
 Schwungvoll betraten sie den nächsten Raum und sahen sich voller Erstaunen um. Alles dort schimmerte, der Boden, die Wände und die Decke. In der Mitte stand ein Thron und darauf lag ein Diadem.
    »Das ist der Schatz, mein Gott, wir haben ihn gefunden.«, jubelte Kiki.
 Ohne nachzudenken, lief sie hin und ergriff das Diadem. Jonathan schrie: »Warte, sei vorsichtig«, doch da geschah es bereits. Mit einem lauten Knall fuhr eine Art Käfig herab und stülpte sich über das erschrockene Mädchen. Kiki saß in der Falle.
    »Jonathan, bitte hol mich hier raus«, appellierte sie panisch.
    »Bleib jetzt ganz ruhig, Kiki. Wir finden eine Lösung. Nimm mal vorsichtig das Diadem vom Thron, schauen wir mal, was passiert.«
Sie tat es, aber nichts geschah.
    »Hm, gib es mir mal bitte.«, forderte er sie auf. Sie überreichte es ihm. Er steckte das Diadem ein und entfernte sich vom Käfig.
    »Nein, bitte lass mich nicht hier zurück«, flehte Kiki. Da wurde dem Burschen erst bewusst, wie das Mädchen sein Verhalten interpretierte.
    »Oh mein Gott, nein. Ich würde dich doch niemals hier zurücklassen.« Er trat wieder zum Käfig und ergriff ihre Hände, die sie ihm durch das Gitter entgegenstreckte und drückte sie fest zusammen. Der Junge sprach beruhigend: »Ich verspreche es, dass ich dich nicht hierlasse. Ich hole dich raus, ich muss nur erst rausfinden wie.«
    »Ok, danke. Ich bin sicher, dass du eine Lösung findest«, sagte sie nun etwas ruhiger.
 Jonathan betrachtete den Käfig genauer. Er war schwer und robust und es war unmöglich ihn mit Körperkraft anzuheben. Zudem war er durch eine Metallstange mit der Decke verbunden. Es musste irgendeine Mechanik geben, die Frage war nur wo. Er lief im Raum herum, um nach irgendwelchen Mechanismen Ausschau zu halten, da fuhr ihm der Schrecken in die Glieder. Der Boden war ein wenig mit Wasser bedeckt, was vorher nicht der Fall gewesen war. Er sah in den Raum mit den Treppen und erschrak, als er erkannte, dass von den Stufen Wasser herunterrann. War dies gemeinsam mit dem Herabfallen des Käfigs ausgelöst worden? Wurde jetzt alles unter Wasser gesetzt?
 Sie hätten ja noch Zeit genug nach oben zu kommen, wenn Kiki nicht eingesperrt wäre. Noch hastiger blickte er sich weiter um, wohl merkend, dass das Wasser wesentlich schneller anstieg. Auch Kiki wurde es bewusst.
    »Bitte, lass dir was einfallen, ich will nicht ertrinken!«, rief sie gequält aus.

 

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Nikolaus Fahrner

 

 Schon in meiner Kindheit und Jugend hatte ich eine recht ausgeprägte Fantasie und unterhielt Freunde mit meinen Geschichten.

Ich lebe mit meiner lieben Frau und zwei vorlauten, schwarzen Katern in einem kleinen Städtchen in Niederösterreich. Beruflich bin ich als Gärtner tätig.

 

 Zu schreiben begonnen habe ich schon in meiner Jugendzeit, wenn ich dazwischen auch längere Zeiten der Schreibabstinenz hatte.

Vom Genre her bewege ich mich in verschiedenen Gefilden.

Größtenteils schreibe ich Jugendromane die teils Abenteuergeschichten sind, aber teils auch SciFi-Elemente beinhalten.